Jean Perzel

(1892-1986)

>>In den letzten drei Jahren hat Perzel sein Glas bemalt; meist in einem Rosa, das den Raum in eine angenehme Atmosphäre taucht… und den Frauen ein schmeichelhaftes Aussehen verleiht<<, schrieb Gaston Dersy in der Zeitschrift >Mobilier et Décoration< im Dezember 1933.

Jean Perzel ist in Bruck an der Leitha geboren, wurde in München als Glasmaler ausgebildet, kam 1910 vorübergehend nach Paris und ließ sich nach dem Krieg ganz in Paris nieder. Wie schon sein Vater und Großvater, begann auch er mit Glaserzeugung und wandte sich bald speziell der Beleuchtung zu.

In einem Artikel in der Zeitschrift >Lux< legte er dar, dass eine Erneuerung nur möglich sei, wenn man aufhören würde, eine Lampe als >>umgestaltete Kerze<< zu begreifen. Seine erste Lampe konzipierte er in der Art eines unbemalten romanischen Kirchenfensters. Perzel beschrieb die Idee folgendermaßen: >>Es wäre anmaßend zu behaupten, ich würde die Elektrizität so behandeln, wie die alten Glasmaler die Sonne, aber jetzt habe ich einen derartigen Versuch unternommen, indem ich die Lichtquelle vollkommen ummantelt habe, um alle Strahlen zu nützen; darauf beruhen auch meine Experimente mit geätzten, milchigen und elfenbeinartigen Gläsern<<.

Aus dieser Konzeption heraus entwickelte sich Perzels Stil der Beleuchtung und dessen Einfluss auf die Zeitgenossen. Als Designer und Hersteller von Lampen- die Firma besteht heute noch in Paris- ging er von den Auffassungen aus, dass man das Licht erstens gleichmäßig auf die beleuchteten Flächen verteilen und zweitens die Lichtstrahlen maximal ausnützen müsse. In der Frage der Gleichmäßigkeit der Beleuchtung bildeten sich zwei Lager unter den Lampendesignern, jenes, das sich Perzel anschloss, und ein anderes, dessen Hauptvertreter Sabino war und das die gegensätzliche Auffassung vertrat, das Licht müsse durch entsprechende Beschaffenheit des Glases unregelmäßig und lebendig variiert und moduliert werden.

Um für seine Lampen eine möglichst gleichmäßige Lichtverteilung zu erhalten, entwickelte Perzel ein spezielles, sandgestrahltes Glas, dessen eine Seite mit einer dünnen durchsichtigen Emailschicht überzogen war. Dadurch wurde das Licht nicht nur gleichmäßig gefiltert, sondern auch eine >Trübung< erzielt. Später verwandte er ganz leicht getönte Emailbeläge, zum Beispiel ein helles Beige oder Rosa, je nachdem, wie es den Räumen entsprach. Seltener gab es bei ihm auch eine durchscheinende und leicht regenbogenfarbene Glasart. Perzels Metallfassungen unterstützten entweder in vernickelter oder auch lackierter Ausführung diskret die Gesamtwirkung. Perzel produzierte in relativ hoher Auflage qualitätvolle, teure Modelle. Ohne die Vielfalt von Genet& Michon oder Sabino anzustreben, stellte er fast nur Tischlampen, Stehlampen, Appliquen und Deckenlampen her, gelegentlich auch Lichtbausteine, Lichtsäulen und beleuchtbare Tische, die er sogar erfunden haben soll. Die Schirme seiner Lampen, polygonal, konisch, sphärisch, zylindrisch und rechteckig in der Form, sind von klarer Eleganz und erstaunlicher >Modernität< in unserem Sinne. Jallot, Rollin, die Gebrüder Tétard sowie der Architekt Roux-Spitz verwendeten für Ihre Einrichtungen hauptsächlich Perzel-Leuchter. Darüber hinaus hatte Perzel selbst eine erstklassige, internationale Klientel, unter anderem Henry Ford in Detroit, das Hotel Savoy in London und den König von Siam in Bangkok. Von 1924 bis 1939 stellte Perzel beim Herbstsalon aus, er war auch bei der Internationalen Ausstellung von 1925 und in den dreißiger Jahren im Salon du Luminaire mit seinen Schöpfungen vertreten.

Quelle: Alastair Duncan, Lampen Lüster Leuchter, Jugendstil Art Déco, Prestel-Verlag, München 1979, S. 180-181

Bild: Alastair Duncan, Lampen Lüster Leuchter, Jugendstil Art Déco, Prestel-Verlag, München 1979, Bild 120

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