Glossar

Pierre Chareau

(1883-1950)

Die knappe Formensprache war typisch für Chareaus Absage an alles Überflüssige, das die Reinheit eines Objektes beeinträchtigen kann. Vor allem aber war es zunächst die Funktion der Lampe, die zu dieser außergewöhnlichen Formfindung führte. Dort, wo dieser Künstler das Nützliche suchte, fand er auch das Schöne- eine Begabung, die sein Ingenium ausmachte. Chareau war Architekt und Raumgestalter gleichzeitig. 1929 wurde er als Architekt bekannt durch das revolutionär konzipierte Maison de Verre für Dr. Dalsace in Paris und ein Clubhaus in Beauvallon (1927). Bei seinen Entwürfen als Raumgestalter ging er von dem Grundsatz aus, keine Möbel als Einzelstücke zu gestalten, sondern ein Raumganzes zu konzipieren und es bewohnbar zu machen. Seine Möbel, die 1919 im Herbstsalon und bei der Ausstellung der Société des Artistes Décorateurs, außerdem durch Les Cinq und ab 1939 von der Union des Artistes Modernes ausgestellt worden sind, beweisen eine Kühnheit und einen Erfindungsreichtum, die manchmal bis an die Grenze des Absurden gehen. Sein Bücherschrank aus Birnbaumholz wurde von dem Kritiker Gabriel Mourey in >The Studio< als bemerkenswerteste Arbeit der gesamten Ausstellung bezeichnet. Chareaus Stehlampen, Lüster und Nachttischlampen mit Alabaster- oder Glasteilen sind sehr bekannt geworden. Die schon oben erwähnte Stehlampe mit konisch zulaufendem Holzfuß hat es auch mit Stoffschirm gegeben. Eine solche Version hat Chareau 1926 für Mme. Jaques Errera entworfen. Seine besondere Vorliebe galt der indirekten Beleuchtung. Für sein Musterstudio im französischen Pavillon der Ausstellung von 1925 hat er eine Oberlichtkonstruktion entwickelt, die den fensterlosen Raum diffus und indirekt beleuchtete. Dazu verwendete er eine Vorrichtung aus Glasscheiben, die man verstellen konnte, um die Intensität des Lichts zu variieren. In der 1928 vollendeten Empfangshalle des Grand Hôtel in Tours ließ er alle Lampen direkt in die Decke einbauen. Sie waren aus rechtwinkligen Lichtstreifen konzipiert, die gegeneinander versetzt angeordnet waren. Für den zweiten und dritten Salon du Luminaire in den Jahren 1934 und 1935 entwickelte Chareau zusammen mit dem Lichttechniker André Salomon Beleuchtungen für Raumecken, die aus beleuchteten Glasbausteinen bestanden.

Quelle: Alastair Duncan, Lampen Lüster Leuchter, Jugendstil Art Déco, Prestel-Verlag, München 1979, S. 162-163

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