Glossar

René Herbst

(1891-1982)

René Herbst gehörte mit Chareau, Jourdain oder Mallet-Stevens zum kleinen Kreis der Pioniere des Kubismus auf dem Gebiet der angewandten Künste. Er war ursprünglich Innenarchitekt und wurde Mitte der zwanziger Jahre künstlerischer Leiter der Firma Siégel. Als die Société des Artistes Décorateurs eine von ihm und Charlotte Perriand geleitete Künstlergruppe für ihren Salon von 1929 nicht zuließ, gründete Herbst die Union de Artistes Modernes (U.A.M.) als eigene Gruppe.

Vielseitig begabt, war Herbst der erste, der mit vernickeltem Stahlrohr arbeitete, vor allem Stahlrohrstühle schuf, die mit Leder bespannt oder mit Stoffkissen von Hélène Henry ausgestattet wurden. Er entwarf Ensembles für Aga Khan, die Parfümerie Isabey, für Robj, bei der Ausstellung von 1925 für Siégel, für die Modeschöpferin Lina Mouton und für seinen eigenen Stand am Pont Alexandre. Seine Theorien über Licht wurden vor allem von der Zeitschrift >Lux< verbreitet, die in der Zeit von 1929 bis 1932 nicht weniger als vier Artikel von Herbst selbst oder über ihn veröffentlichte. Er war grundsätzlich der Ansicht- und stimmte darin mit Mallet-Stevens überein-, dass der Designer unbedingt mit einem Lichtingenieur zusammenarbeiten müsse, denn dieser sei der einzige, der die Kurvaturen eines Metallreflektors exakt berechnen könne. In einer Studie über Schaufensterbeleuchtung dachte er über spezielle Lichteffekte nach, die das Publikum anlocken und der Schaufensterscheibe jene unangenehme Spiegelwirkung nahmen könne, die mehr von den Passanten und gegenüberliegenden Häusern als von den ausgestellten Waren zeigt. Auch riet er von zu heller Beleuchtung im Ladeninneren ab, da Kunden >> weder Schmetterlinge noch Motten<< seien.

In Zusammenarbeit mit dem Lichtingenieur André Salomon, der ein Mitarbeiter der Beratungsfirma Perfecla war, entwickelte Herbst zahlreiche >sichtbare< und >unsichtbare< Leuchten, die mit seinen Möbeln im Herbstsalon oder durch die Société des Artistes Décorateurs ausgestellt wurden.

René Herbst schien jedoch in der Theorie erfolgreicher gewesen zu sein als in der Praxis. Seine 1928 entworfene Stehlampe für einen Rauchsalon mit einer drehbaren Reflexionsscheibe für indirektes und direktes Licht ist zwar konzeptionell ausgezeichnet, aber in der Ausführung zu gerüstartig. Sie hat Knochen, aber kein Fleisch- wie eine andere Stehlampe, bei der das Licht durch eine Opalglasscheibe zerstreut wurde, um gleichzeitig einen direkten und indirekten Effekt zu erzielen. Die Deckenlampe mit den passenden Appliquen aus Silber und vergoldeter Bronze, die bei der Ausstellung von 1925 zu sehen war, wirkt trotz des Materials billig, ebenso sein Lüster, der auf dem zweiten Salon du Luminaire 1934 ausgestellt wurde.

Quelle: Alastair Duncan, Lampen Lüster Leuchter, Jugendstil Art Déco, Prestel-Verlag, München 1979, S.172-173.

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