Stillleben von Nicolas Poliakoff
Nr. 2789 | 7.500,--€
Nicolas Poliakoff
(1899–1976)
Stillleben mit Krug, Obstschale, Flasche und Büchern, Öl auf Leinwand, signiert unten rechts
„N. Poliakoff“.
Provenienz: Hessische Privatsammlung
Ehemals Kunsthandlung Frankfurt Hermann-Simsch
Höhe: 101 cm | Breite: 88cm m.R.
Nicolas Poliakoff (1899–1976)
Stillleben mit Krug, Obstschale, Flasche und Büchern, Öl auf Leinwand, signiert unten rechts „N. Poliakoff“.
In diesem Stillleben verdichtet Nicolas Poliakoff die vertrauten Atelierobjekte zu einer konstruktiv gebauten Bildordnung. Krug, Flasche und Bücher werden als geometrisierte Volumina gesetzt.
Während Tuch und Hintergrunddraperien den Raum in flächige Farbzonen gliedern, verbindet Poliakoff damit die Tradition des Pariser Stilllebens mit einer postkubistischen Grammatik.
In dieser Grammatik bilden Zeichnung, Kantenführung und Farbflächen ein ausgewogenes Spannungsfeld. Das Werk steht exemplarisch für Poliakoffs Position innerhalb der École de Paris. Es ist modern in der Form, doch bewusst an einer klassischen Kompositionsdisziplin orientiert.
Kurzbiografie
Nicolas Poliakoff (auch: Poliakov/Poliakoff) gehört zur Generation der École de Paris. Diese fand nach 1925 in Paris ein internationales Zentrum der Moderne. Er studierte zunächst in Belgrad und kam 1925 nach Paris. Dort arbeitete und lehrte er im Umfeld von André Lhote. Sein Werk bewegt sich bevorzugt zwischen Stillleben, Figur/Akt und Porträt.
Es ist geprägt von einer konstruktiven, kubistisch informierten Formauffassung. Gegenstände und Körper werden über Ebenen, Kanten und klar gegeneinander gesetzte Farbflächen aufgebaut. Poliakoff steht damit für eine „klassische Moderne“, die die kubistische Methode der Komposition nutzt. Allerdings löst er dabei den Gegenstand nicht auf.
Nicolas Poliakoff
Nicolas Poliakoff (russ. Nikolai Georgievich Poliakov / Поляков; 22. Juli 1899 – † 1. Juli 1976) gehört zur École de Paris. Dies war jene international geprägte Künstlergeneration, die in der Zwischenkriegszeit Paris als Arbeits- und Ausstellungszentrum wählte. In der Rezeption wird er vor allem als kubistisch geprägter Figuren- und Stilllebenmaler wahrgenommen. Er gilt weniger als Avantgardist im radikalen Sinn, sondern als konsequenter Vertreter einer „klassischen Moderne“. Konstruktion, Zeichnung und Farbflächen hält er dabei in Balance.
Herkunft, Ausbildung, Ankunft in Paris
Poliakoff wurde in der Ukraine geboren; als Geburtsort wird häufig Aleksandrovsk (historischer Name; heute Zaporizhzhia/Saporischschja) genannt. Er absolvierte seine erste künstlerische Ausbildung an der École des Beaux-Arts in Belgrad (Okt. 1921–Juli 1925). Dann ging er im Oktober 1925 nach Paris. Dort studierte er an der Académie André Lhote (18, rue d’Odessa).
Die „Lhote-Schule“ als lebensprägende Konstante
Für Poliakoffs Profil ist entscheidend, dass er nicht nur Schüler war. Ab 1926 fungierte er als „massier“ (Organisationsfunktion innerhalb der Akademie) und wurde Assistent von André Lhote – bis zu dessen Tod 1962. Außerdem unterrichtete er dort laut Quellenlage bis 1965. Das verankert Poliakoff in einer Tradition, die Kubismus weniger als Zerstörung des Gegenstands versteht. Stattdessen begreift er ihn als methodische Bildarchitektur (Konstruktion aus Achsen, Ebenen, Proportionen).
Atelier, Paris-Milieu, Louvre
Seit den 1930er Jahren arbeitete Poliakoff im Montparnasse-Umfeld. Er hatte bis zu seinem Tod ein Atelier am 278, boulevard Raspail. Zudem war er zugelassener Kopist am Louvre. Das ist ein Hinweis auf die Bedeutung, die Zeichendisziplin, Modellstudium und Tradition in seinem Selbstverständnis hatten.
Werk und Stil: konstruktive Figuration
Poliakoffs Arbeiten bewegen sich – je nach Phase – zwischen Figur, Akt, Porträt, Stillleben und Landschaft. Charakteristisch ist eine gebaute Form. Dabei werden Körper und Dinge in kantige Volumina und klar gegeneinander gesetzte Farbfelder überführt.
Kunsthistorisch lässt sich das als „kubistische Grammatik“ beschreiben. Sie ist nicht primär Collage oder Fragment, sondern Ordnungssystem. Raum wird über Flächenschnitte organisiert, Kontur und Binnenzeichnung bleiben wichtig, und die Farbe stützt die Konstruktion (statt sie aufzulösen). Diese Nähe zur Lehrtradition Lhotes ist stilistisch gut plausibel.
Ausstellungen und Sichtbarkeit im Pariser Ausstellungssystem
Poliakoff war im klassischen Pariser Ausstellungsbetrieb präsent: u. a. Salon d’Automne (1926–1928) sowie über Jahrzehnte beim Salon des Artistes Indépendants (in Quellen bis 1976 genannt). Dazu kamen Galerieausstellungen in Paris und einzelne Stationen im Ausland (z. B. Belgrad, Boston).
Verhältnis zu Serge Poliakoff
In maßgeblichen Künstlerdaten wird Nicolas als Bruder von Serge Poliakoff (1900–1969) geführt. (In Auktionsfließtexten tauchen vereinzelt abweichende Angaben auf; für belastbare Provenienztexte sollte man daher bevorzugt auf Referenzdaten/Archive abstellen.)
Tod und Nachwirkung
Poliakoff starb 1976 in Paris. Sein Œuvre begegnet heute vor allem im Kunsthandel und in Auktionen. Kunsthistorisch ist er besonders interessant als Schnittstelle zwischen Lehrtradition (Lhote), Salon-System und einer „moderaten“ Moderne, die Figuration und kubistische Konstruktion zusammendenkt.
Ein anderes Werk aus der Sammlung ist das Kubistisches Stillleben mit Violine,signiert „Gilberte Schmitt“
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